Über dem Höchststand der Pandemie
Im August 2026 waren 4,0 % der Erwerbspersonen von 15 bis 74 Jahren in Deutschland erwerbslos, 1.760.000 Menschen. In der Pandemie erreichte die Quote ihren Höchststand mit 3,9 %, im August 2020 und erneut von Januar bis März 2021, und die Zahl ihren Höchststand mit 1.625.000 im Februar 2021. Die Zahlen sind der monatliche Trend von Eurostat für Deutschland, aktualisiert am 8. Oktober 2026.
Zwei Jahre zuvor, im August 2024, lag die Quote bei 3,4 %, und 1.507.000 Menschen waren erwerbslos. Seit Juni 2026 liegt sie bei 4,0 %, einem Stand, der zuletzt im Juni 2016 erreicht wurde, und die Zahl ist die höchste seit August 2015.
Deutschlands Quote liegt noch deutlich unter der der Europäischen Union, 6,1 % im August 2026. Die vierteljährliche Arbeitskräfteerhebung weist in dieselbe Richtung wie der monatliche Trend: 3,4 % im zweiten Quartal 2024, 3,9 % im zweiten Quartal 2026 und 3,7 % im zweiten Quartal 2021.
| Alter | August 2026 | August 2024 | Höchststand 2020 bis 2021 |
|---|---|---|---|
| 15 bis 74 | 4,0 % | 3,4 % | 3,9 % |
| 25 bis 74 | 3,7 % | 3,0 % | 3,4 % |
| Unter 25 | 7,4 % | 6,8 % | 8,4 % |
Was die Zahl misst
Die Quote ist der Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen, nicht an der gesamten Bevölkerung. Erwerbspersonen sind alle Menschen von 15 bis 74 Jahren, die arbeiten oder Arbeit suchen; Studierende, Menschen im Ruhestand und andere, die nicht suchen, stehen weder im Zähler noch im Nenner.
Erwerbslos heißt hier, nach der Definition der ILO: ohne Arbeit, verfügbar und auf Arbeitssuche. Gemessen wird das mit Deutschlands Arbeitskräfteerhebung. Es ist nicht die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Menschen, eine andere Zählung mit eigener Definition, und die beiden dürfen nicht als eine gelesen werden.
Die Monatszahl ist ein Trend, geglättet, und ihre jüngsten Monate können revidiert werden. Zwischen 4,0 % und 3,9 % liegt eine Nachkommastelle, daher zählt auch die Zahl: 1.760.000 gegenüber 1.625.000. Eurostat kennzeichnet einen Bruch in Deutschlands Reihe im Januar 2009, daher wird hier nichts Früheres verglichen, und die Quartalstabelle enthält für 2020 keine deutschen Werte.
- DAS VERHÄLTNIS: Erwerbslose von 15 bis 74 Jahren geteilt durch alle Erwerbspersonen von 15 bis 74 Jahren, also alle, die arbeiten oder Arbeit suchen. Wer weder arbeitet noch sucht, steht weder im Zähler noch im Nenner.
- DIE DEFINITION: erwerbslos nach der Definition der ILO, also ohne Arbeit, innerhalb von zwei Wochen verfügbar und in den vergangenen vier Wochen auf Arbeitssuche. Es ist nicht die von der Bundesagentur für Arbeit registrierte Zahl, die einer eigenen Definition folgt und gesondert veröffentlicht wird.
- DIE REIHE: Für Deutschland veröffentlicht Eurostat einen Trend statt eines saisonbereinigten Monatswerts, weil die monatlichen Erhebungswerte von Monat zu Monat zu stark schwanken. Ein Trend ist geglättet, und seine jüngsten Monate werden revidiert, sobald neue Monate hinzukommen.
4,0 % heißt also nicht, dass jeder fünfundzwanzigste Deutsche ohne Arbeit ist: Es heißt, dass von den Menschen von 15 bis 74 Jahren, die im August 2026 arbeiteten oder Arbeit suchten, 4,0 % keine Stelle hatten, verfügbar waren und eine suchten.
Ein Verhältnis, eine Definition und eine geglättete Reihe, und eine Lesart, die eines davon vergisst, sagt, was die Quelle nicht sagt.
Der Anstieg betrifft Erwachsene
Von den 253.000 Menschen, die im August 2026 mehr erwerbslos waren als zwei Jahre zuvor, sind 231.000 zwischen 25 und 74 Jahre alt. Ihre Zahl stieg von 1.201.000 auf 1.432.000, die höchste seit Dezember 2015, und ihre Quote von 3,0 % auf 3,7 %, die höchste seit März 2016 und über ihrem eigenen Höchststand der Pandemie von 3,4 %.
Unter 25 stieg die Quote von 6,8 % auf 7,4 %, liegt aber noch unter ihrem Höchststand von 2020, 8,4 %. Im August 2026 waren 328.000 Menschen unter 25 erwerbslos, gegenüber 307.000 zwei Jahre zuvor und 350.000 auf dem Höchststand 2020.
Junge Menschen sind weiterhin häufiger erwerbslos: 7,4 % unter 25, doppelt so viel wie die 3,7 % bei Erwachsenen. Verändert hat sich, wo der Anstieg liegt: Neun von zehn zusätzlichen Erwerbslosen sind zwischen 25 und 74 Jahre alt.
| Alter | August 2026 | August 2024 | Veränderung | Höchststand 2020 bis 2021 |
|---|---|---|---|---|
| 15 bis 74 | 1.760.000 | 1.507.000 | +253.000 | 1.625.000 |
| 25 bis 74 | 1.432.000 | 1.201.000 | +231.000 | 1.296.000 |
| Unter 25 | 328.000 | 307.000 | +21.000 | 350.000 |
Was diese Zahlen nicht sagen
Sie sagen nicht, warum. Nichts hier misst die Industrie, die Energiepreise, den Handel, die Migration oder die Zinsen, und keine Politik wird bewertet.
Sie sagen nicht, wie viele Stellen offen sind, wie lange eine Suche dauert oder was jemand verdient, und sie sagen nichts über eine Region Deutschlands, über Männer oder Frauen getrennt oder über einen Beruf oder eine Branche.
Sie sagen nicht, was als Nächstes kommt. Eurostat hat Deutschlands Septemberwert noch nicht veröffentlicht, der Trend kann revidiert werden, und nichts davon ist eine Prognose.



